Taxonomie

Bei Wal und Delfin hat wohl jeder ein Bild vor Augen: Wale, das sind die ganz Großen, die gemächlich durchs Meer schwimmen. Delfine sind die Kleinen mit ihren lustigen Sprüngen. Doch ganz so einfach ist das in Wirklichkeit nicht, denn auf den ersten Blick sieht man oft nicht die wirklich wichtigen Details. Gehen wir nach den Verwandtschaftsverhältnissen vor, ergibt sich ein ganz anderes Bild.

Die Ordnung der Wale

Wir teilen das Tierreich auf nach Stämmen, Klassen, Ordnungen, Familien, Gattungen und Arten. Für eine bessere Abgrenzung sind immer noch Zwischenstufen möglich, diese erkennt man an den Vorsilben Unter und Über.

Die Zuordnung für die Wale sieht folgendermaßen aus:

  • Stamm: Chordatiere (Chordata)
  • Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)/Schädeltiere (Craniota)
  • Klasse: Säugetiere (Mammalia)
  • Unterklasse: Höhere Säugetiere/Plazentatiere (Eutheria)
  • Ordnung: Wale (Cetacea)

Mit der Bezeichnung Wale sind wir also gerade erst bei der Ordnung, mit allen großen und kleinen Vertretern. Wie geht es ab hier weiter?

Die Unterordnungen

Wissenschaftlich unterteilen wir Wale grob in zwei Unterordnungen: Zahnwale (Odontoceti) und Bartenwale (Mysticeti).

Welche unterschiedlichen Merkmale haben Zahnwale und Bartenwale? Klicke dich durch unsere Übersicht und finde es heraus.

Zähne

Wie der Name schon verrät, haben Zahnwale Zähne. Bei den Urwalen waren es noch unterschiedliche Zähne zum Greifen, Reißen und Zerkauen. Bei den heutigen Walen sehen alle Zähne gleich aus und dienen nur einem Zweck: dem Packen und Festhalten der Beute. Kauen ist bei Walen kein Thema – die Happen werden gleich am Stück geschluckt.

Die Bartenwale haben anstelle von Zähnen große fransige Hornplatten im Maul, die man Barten nennt. Ihre Vorfahren lebten in der Nähe der Antarktis, wo es damals schon viel Plankton gab. So stellten die Wale ihre Ernährung von Fisch auf Krill um. Der ist zwar sehr nährstoffreich aber auch mini-winzig, sodass die Wale ihn nicht mit den Zähnen packen konnten; wahrscheinlich saugten sie die kleinen Tierchen ein.

Allmählich passten sie sich an diese Nahrungsquelle an: Die Urwale bekamen zunächst Zähne mit mehreren Spitzen, die wie ein Gitter die Nahrung im Maul zurückhielten. Über Millionen von Jahren entwickelten sich daraus die Barten, mit denen sie heute die Nahrung aus dem Wasser filtern.

Nahrungssuche

Zahnwale verfügen über ein Sonarsystem. Ähnlich wie Fledermäuse senden Laute aus, die vom Umfeld reflektiert werden. Man nennt dies Echoortung. Der Wal erkennt dabei nicht nur, ob das Echo von einem Stein, einem Artgenossen oder einem Beutetier kommt, sondern kann auch Größe, Entfernung und Geschwindigkeit bestimmen.

Wie Bartenwale ihre Beute finden, ist noch nicht erforscht. Sie haben kein mit Zahnwalen vergleichbares Sonarsystem. Aber trotzdem scheinen sie Krillschwärme zu erkennen und sogar ihre Größe beurteilen zu können. Das ist für Wale wichtig zu wissen, denn das Schwimmen mit geöffnetem Maul bremst die Tiere enorm ab. Für einen kleinen Krillschwarm lohnt es sich deshalb nicht, das Maul aufzureißen. Bei Grönlandwalen fand man heraus, dass sie zumindest über Wasser recht gut riechen. So könnten sie beim Atmen den von Krillschwärmen abgesonderten Geruch wahrnehmen, über den auch Seevögel diese Tiere finden.

Blasloch

Bei Zahn- und Bartenwalen unterscheidet sich auch das Blasloch. Zahnwale haben nur ein äußeres Blasloch, bei Bartenwalen sind es zwei. 

Bilder links: Oben sieht man das geöffnete Blasloch beim Zahnwal. Unten erkennt man deutlich, wie das Loch beim Abtauchen geschlossen wird, damit kein Wasser eindringen kann.

Bild rechts: Die Atemöffnung bei Bartenwalen erinnert ein wenig an eine Nase. Die Stelle ist etwas aufgewölbt und zwischen den zwei Nasenlöchern gibt es eine Trennwand.

Kopfform und Blasloch

Das Sonarsystem der Zahnwale sorgt dafür, dass der Kopf dieser Tiere von oben betrachtet etwas assymetrisch erscheint. Außerdem fällt auf, dass Zahnwale nur ein äußeres Blasloch haben.

Der Bartenwal-Kopf ist von oben betrachtet symmetrisch und man kann deutlich das paarige Blasloch erkennen, d.h. es sind zwei Öffnungen sichtbar. Die Blasöffnung bei Bartenwalen wirkt daher ein wenig wie eine menschliche Nase.

Familien, Gattungen und Arten

Abhängig davon, wie die Lebewesen evolutionär miteinander verwandt sind und entsprechende Gemeinsamkeiten aufweisen, werden sie schließlich in verschiedene Familien, Gattungen und Arten unterteilt.

Die Bezeichnungen für Familien in der Biologie erkennen wir an der Endung -idae. Teilweise gibt es bei den Walen auch Überfamilien (Endung: -oidae) und Unterfamilien (Endung: -inae).

Der Name der Art besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil bezeichnet die Gattung, der zweite Teil steht für die Art. Zu einer Gattung können diverse Arten gehören oder auch nur eine Art.

Bis heute gibt es keine eindeutige Definition für den Begriff Art, was oft zum Streit führt.

Schauen wir uns die Aufteilung für die beiden Unterordnungen an.

Bartenwale

Bei Bartenwalen unterscheiden wir vier Familien: Glattwale, Zwergglattwale, Furchenwale und Grauwale. Klick dich durch unsere Übersicht und finde heraus, wie sich diese Familien voneinander unterscheiden.

Bartenwal-Familien

Entdecke die Merkmale der Bartenwalfamilien

Furchenwale

Furchenwale (Balaenopteridae) haben Längsfurchen im Kehlbereich. Strömt Wasser in das Maul des Wals, dehnen sich die Furchen und es können große Mengen Nahrung aufgenommen werden. Wenn der Wal sein Maul schließt und das Wasser wieder herauspresst, bleibt die Nahrung an den kurzen Barten hängen und wird hinuntergeschluckt. Diese Art der Nahrungsaufnahme nennt man Schluckfiltrieren.

Die Familie der Furchenwale teilen wir in zwei Unterfamilien auf. Die sechs Arten der Unterfamilie Balaenopterinae sind sehr schlank  und haben kurze Brustflossen. Zu ihnen gehört auch der in der Straße von Gibraltar vorkommende Finnwal. Die Unterfamilie Megapterinae besteht aus nur einer Art – dem Buckelwal mit seinen langen Flippern, die etwa ein Drittel der Körperlänge ausmachen.

Bild: Finnwal und Buckelwal

Glattwale

Zur Familie der Glattwale (Balaenidae) gehören vier Arten, die in zwei Gattungen zusammengefasst werden. Zur Gattung Balaena gehört nur eine Art, der Grönlandwal (Balaena mysticetus). Zur Gattung Eubalaena gehören der Atlantische Nordkaper (Eubalaena glacialis), der Pazifische Nordkaper (Eubalaena japonica) und der Südkaper (Eubalaena australis). Die Arten der Gattung Eubalaena sehen sich zum Verwechseln ähnlich, gelten aber als unterschiedliche Arten, weil sich ihre Lebensräume nie überschneiden. Der Atlantische Nordkaper kam einst in der Straße von Gibraltar vor, wurde aber durch den Walfang fast ausgerottet und gilt heute mit nur noch etwa 300 Exemplaren als stark vom Aussterben bedroht.

Bild: Balaena (links), Eubalaena (rechts)

Glattwale filtern ihre Nahrung kontinuierlich.
Das Wasser strömt im vorderen Bereich des Mauls ein und an der Seite wieder heraus. Dabei bleibt das Plankton an den Barten hängen, die an den Seiten deutlich länger sind als vorn. Wenn sich genügend Nahrung angesammelt hat, schiebt sie der Wal mit der Zunge in den Rachen. Diese Art der Nahrungsaufnahme nennt man Schöpfmethode.

Zwergglattwale

Zur Familie der Zwergglattwale (Cetotheriidae) gehört heute nur noch eine Art, der Zwergglattwal (Caperea marginata). Alle anderen Vertreter dieser Familie sind ausgestorben. Es handelt sich um die kleinsten Vertreter der Bartenwale. Da sie nur selten gesichtet werden, weiß man nicht viel über diese Familie.

Ursprünglich wurden diese Wale zur Familie der Glattwale gezählt. Sie haben keine Furchen und einen gewölbten Unterkiefer (das Rostrum). Durch die schlanke Körperform mit Finne besteht aber auch eine Ähnlichkeit zu den Furchenwalen. Deshalb erhielten sie den Status einer eigenen Familie.

Grauwale

Die Familie der Grauwale (Eschrichtiidae) hat  Gemeinsamkeiten mit Furchen-  und Glattwalen und besteht aus nur einer Art, dem Grauwal (Eschrichtius robustus). Grauwale haben keine Finne. An der Kehle befinden sich meist zwei, manchmal auch drei bis sieben kleine Furchen.

Die langsamen Schwimmer erreichen nur etwa 8 km/h. Im Atlantik wurden sie vermutlich bereits im 17. Jahrhundert ausgerottet. Heute gibt es lediglich zwei Populationen im Pazifik – eine an der Westküste Nordamerikas und eine an der asiatischen Küste. Letztere besteht nur noch aus 100-200 Individuen und ist somit stark vom Aussterben bedroht.

Grauwale haben kurze, robuste Barten. Mit ihnen können sie Krebse und Muscheln aus dem Wasser filtern, die sie am Meeresboden aufwirbeln.

Familien

Von den heute etwa 80 verschiedenen Walarten gehören die meisten zu den Zahnwalen. Nur 15 Walarten sind Bartenwale. Da aber auch bei den Unterordnungen einige Arten mehr und andere weniger gemeinsame Merkmale haben, ordnen wir sie verschiedenen Familien und Gattungen zu.

In der Straße von Gibraltar sehen wir lediglich einen Bartenwal mehrmals im Jahr: den Finnwal. Ganz selten können wir einen Zwergwal beobachten. Und nur ausnahmsweise kommt es sogar vor, dass sich ein Buckelwal ins Mittelmeer verirrt. Früher waren alle drei Arten viel häufiger und auch Glattwale, Grauwale und Blauwale kamen hier vor.

Zusammenfassung

In dieser Lektion hast du viel über Gestreifte Delfine in der Straße von Gibraltar gelernt. Fassen wir die wichtigsten Punkte noch einmal zusammen.

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Stiftung firmm

Die Stiftung firmm setzt sich aktiv für die Erforschung und den Schutz von Walen und Delfinen und ihres Lebensraums Meer ein.

Unser Standort Tarifa an der Straße von Gibraltar dient als Forschungs­station und bietet allen Besuchern die Möglich­keit, die faszinierenden Meeressäugetiere in ihrem natürlichen Lebens­raum zu erleben.