Entstehung der Straße von Gibraltar
Die Plattentektonik verändert kontinuierlich das Aussehen unserer Erde. Landmassen und Meere entstehen und verschwinden. Auch das Mittelmeer und die Straße von Gibraltar unterliegen diesem Einfluss. Schauen wir uns an, wie sie sich gebildet haben.
Von der Tethys zum Mittelmeer
Das Mittelmeer ist ein Überrest des urzeitlichen Tethys-Meers. Vor etwa 300 Millionen Jahren vereinte der Superkontinent Pangaea die riesigen Landmassen aller heute existierenden Kontinente und war von einem einzigen Ozean umgeben – Panthalassa, was übersetzt „das ganze Meer“ bedeutet (griechisch: pan = alles, thalassa = Meer). Die Tethys war der Teil des Ozeans, der wie eine riesige Bucht im Osten von Pangaea lag.
Vor etwa 200 Millionen Jahren begann Pangaea zu zerfallen und das Tethys-Meer trennte die dadurch entstandenen Großkontinente Laurasia und Gondwana von Ost nach West. Doch auch diese zerfielen nach und nach – die Kontinentalplatten bewegten sich in ganz unterschiedliche Richtungen.
Klicke auf die Info-Punkte in der Grafik und erfahre mehr über die Verschiebung der Kontinentalplatten nach dem Zerfall von Laurasia und Gondwana.
Vor etwa 15 Mio Jahren kollidierte Afrika im Osten schließlich mit der eurasischen Platte. So wurde der östliche Teil der Tethys abgetrennt und das Mittelmeerbecken entstand.
Im Westen gab es zunächst noch eine Verbindung zum Atlantik. Aber auch hier näherte sich die afrikanische Platte immer mehr an. Vor etwa 6 Millionen Jahren entstand dann auf Höhe der heutigen Straße von Gibraltar eine Landbrücke zwischen Afrika und Europa.
Das Mittelmeer trocknet aus
Das Mittelmeer hatte von da an keine Verbindung zum Ozean mehr und durch Flüsse oder Niederschläge gelangte weniger Wasser hinein als durch Verdunstung verlorenging. Im Verlauf von mehreren zehntausend Jahren trocknete das Mittelmeer deshalb nahezu vollständig aus und wurde zu einer riesigen Salzwüste. An den tiefsten Stellen lagerten sich dabei bis zu drei Kilometer dicke Schichten Salz ab. Diese Epoche nennt man in Fachkreisen Messinische Salinitätskrise (auch: Messinische Salzkrise). Etwa 600.000 Jahre hielt diese Trockenheit an. Die Flüsse, die in dieser Zeit immer noch ins Mittelmeerbecken führten, verloren sich in der Salzwüste, schnitten aber auf ihrem Weg tiefe Kerben in die Landschaft.
Im nächsten Bild siehst du, wie diese Salzwüste ausgesehen haben könnte. Klick auf die Info-Punkte, um mehr zu erfahren. (Bild KI-generiert)
Die Straße von Gibraltar entsteht
Vor ca. 5,33 Millionen Jahren senkte sich die Landbrücke zwischen Europa und Afrika dann etwas und das Wasser fand an der Gibraltar-Schwelle wieder einen Weg ins Mittelmeerbecken. Je mehr Wasser hindurchkam, desto mehr Gestein wurde weggespült und machte Platz für noch mehr Wasser. Während dieser Prozess mehrere Jahrtausende lang nur langsam vorankam, sollen etwa 90 Prozent der Flutung innerhalb von maximal zwei Jahren geschehen sein. Auf dem Höhepunkt stieg dabei der Meeresspiegel im Mittelmeer um bis zu 10 m pro Tag.
In der Straße von Gibraltar schaffte die Gewalt des Wassers dabei zwei Kanäle und ein tiefes Loch im Meeresboden – wie der Aufprallkrater eines gigantischen Wasserfalls. Diese Topografie prägt die Meerenge bis heute.
Klicke auf die Info-Punkte in der folgenden Grafik und erhalten Informationen zur Straße von Gibraltar während der Flutung und heute (Bilder KI-generiert).
Die Straße von Gibraltar heute
Die Gibraltar-Schwelle, an der das Wasser vor 5,33 Millionen Jahren durchbrach, liegt am westlichen Ende der Meerenge. Ihre höchste Stelle befindet sich heute 280 Meter unter dem Meeresspiegel. Auf der folgenden Karte kannst du die Erhebung deutlich sehen und auch die beiden tieferen Kanäle durch die Straße von Gibraltar gut erkennen. Die meisten Wale halten sich über dem tieferen südlichen Kanal auf.
Schiebe den Regler hin und her, um dich auf die Topografie der Meerenge zu konzentrieren oder dir die Aufenthaltsorte der Wale anzeigen zu lassen.
Zusammenfassung
Jetzt weißt du, wie das Mittelmeer und die Straße von Gibraltar entstanden sind. Lass uns das Wichtigste noch einmal als Quiz zusammenfassen.
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Quellen und Zusatzinfos
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Allgemeine Quellen
Pangaea, Laurasia, Gondwana
- Wikipedia: Tethys, Pangaea, Laurasia, Gondwana
- Ancient Earth (interaktiver Globus)
Messinische Salinitätskrise
Wissenschaftliche Quellen
- Briand, F., The Messinian Salinity Crisis from mega-deposits to microbiology – A consensus report. N° 33 in CIESM Workshop Monographs, 168 pages Monaco, 2008.
- Bruno, M. et al., The boiling-water phenomena at Camarinal Sill, the strait of Gibraltar. Deep-Sea Research II 49 (2002), 4097–4113.
- Bruno M. et al., Vertical structure of the semidiurnal tidal currents at Camarinal Sill, the strait of Gibraltar. OCEANOLOGICA ACTA · VOL. 23 – N° 1, 1999.
- D. Krom, M. et al., Nutrient Cycling in the Mediterranean Sea – The Key to Understanding How the Unique Marine Ecosystem Functions and Responds to Anthropogenic Pressures.
- Duggen, S. et al., Deep roots of the Messinian salinity crisis. GEOMAR Research Center for Marine Geosciences, (Wischhofstrasse 1-3, 24148 Kiel, Germany) 2003.





