Whale-Watching

Whale-Watching ist eigentlich die beste Art, Menschen für den Lebensraum der Wale zu begeistern und somit für den Schutz der Tiere zu interessieren … Wenn man es richtig macht! Leider gibt es unter den Whale-Watching-Anbietern immer wieder schwarze Schafe, die dem Wohl der Meeressäuger eher schaden als nutzen. Schauen wir uns gemeinsam an, wie Whale-Watching im Interesse der Tiere ablaufen sollte und woran du gute Anbieter erkennst.

Welche positiven Effekte hat Whale-Watching?

Welche positiven Effekte fallen dir beim Begriff Whale-Watching ein:

  • für die Touristen
  • für die Bevölkerung vor Ort
  • für die Umwelt
  • für die Wale und Delfine

Überlege erst einmal selbst und klick dich dann durch unsere Übersicht.

Touristen

Die Begegnung mit Walen und Delfinen in ihrem natürlichen Lebensraum ist ein ganz besonderes Erlebnis und gibt uns einen Einblick in eine für uns fremde Welt.

Im Idealfall bringen wir nicht nur tolle Fotos und Videos mit nach Hause, sondern erweitern bei den Ausfahrten auch unser Wissen: Über die Tiere und deren Lebensraum, über unser Handeln und dessen Auswirkungen und darüber, wie wichtig die Meere auch für unsere Überleben sind.

Bei firmm bieten wir vor/nach jeder Ausfahrt 30-minütige Vorträge an. Besser als direkt vor Ort und durch die Zusammenkunft mit diesen intelligenten Tieren lässt sich gar nicht zeigen, dass wir uns für den Schutz der Meere stark machen müssen.

Besonders Interessierte können bei uns auch ganze Beobachtungswochen buchen und bekommen so natürlich noch viel mehr mit.

Bevölkerung vor Ort

Whale-Watching ist ein boomender Zweig der Tourismus-Branche. Überall auf der Welt, wo sich Wale und Delfine aufhalten, kann man aufs Meer hinausfahren und die Tiere beobachten. Zahlreiche neue Jobs sind dadurch entstanden, und für viele ist Whale-Watching ein lukratives Geschäft.

Auch in Tarifa spielt Whale-Watching inzwischen eine bedeutende Rolle. Allein firmm beschäftigt etwa 15 Mitarbeiter pro Saison. Aber auch die Geschäfte, Restaurants und Hotels der Umgebung profitieren indirekt vom Whale-Watching, das viele Touristen nach Tarifa zieht.

Umwelt

Verantwortungsvolle Anbieter informieren in Vorträgen über die Meeressäuger und machen auf die Gefahren für Wale und Delfine aufmerksam. Nach Angaben der IWC kann Whale-Watching tatsächlich dazu beitragen, dass die Teilnehmer sich mehr für Natur- und Umweltschutz interessieren und einsetzen.

Auf unseren Ausfahrten begegnen wir gelegentlich auch verletzten oder abgemagerten Tieren, stoßen auf im Meer treibenden Plastikmüll usw. Unsere Teilnehmer sehen so direkt den Einfluss unseres Handelns auf die Meere und ihre Bewohner.


Auf dem Bild ist unser Patentier Lucía zu sehen. Einige Ausfahrten zuvor war sie noch mit ihrem Kalb unterwegs. Vom Kalb fehlte plötzlich jede Spur und Lucías rechte Brustflosse war abgerissen. Wir vermuten, dass sich die Tiere in einem Fischernetz verfangen hatten und das Jungtier nicht überlebte.

Wale und Delfine

Wenn wir uns für den Schutz der Meere stark machen, profitieren die Wale und Delfine ebenfalls davon. Auch die Bevölkerung vor Ort, deren Unterhalt vom Whale-Watching abhängt, ist in der Regel stärker am Naturschutz interessiert, um „ihre“ Wale nicht zu verlieren.

In der Bootscrew von firmm sind auch ehemalige Fischer angestellt. Während sie die Delfine früher als Nahrungskonkurrenten sahen, sind sie beim Whale-Watching heute genauso begeistert wie unsere Touristen.

Welche negativen Effekte gibt es?

Leider hat Whale-Watching nicht nur positive Effekte, vor allem nicht für Wale und Delfine. Was meinst du, wie kann sich Whale-Watching negativ auf die Meeressäuger auswirken? Klick dich durch die folgende Übersicht und finde es heraus.

Negative Effekte

Klicke dich durch die Übersicht.

Bedrängen der Wale

Wale und Delfine sind Wildtiere. Beim Whale-Watching sollte man dies unbedingt bedenken und respektvoll Abstand halten. Leider gibt es immer wieder Leute, die aus Unwissenheit oder Ignoranz die Tiere geradezu verfolgen und viel zu dicht an sie heranfahren, wie man auf dem Bild gut erkennen kann.

Als mögliche Folge könnten die Wale Boote  als potenzielle Angreifer betrachten. 2020 gab es in der Meerenge zum Beispiel mehrere Vorfälle von Orca-Angriffen auf kleinere Segelboote. Ursache könnten zu viele solcher respektlosen „Whale-Watcher“ gewesen sein.

Störung bei der Jagd

Viele Zahnwale jagen in Gruppen. Entscheidend für ihren Jagderfolg sind Koordination und Kommunikation untereinander.

Durch anwesende Boote werden die auf Echolokation angewiesenen Tiere gestört, vor allem durch die Motorengeräusche.

Das ist, als würden wir konzentriert auf das perfekte Foto beim Whale-Watching hoffen … und ständig rennt uns jemand durchs Bild und quatscht uns von der Seite voll. Nur mit dem Unterschied: Uns geht vielleicht ein tolles Urlaubsbild durch die Lappen.

Für die Wale ist eine erfolgreiche Jagd überlebenswichtig!

Störung beim Ruhen

Für Wale und Delfine sind Ruhephasen genauso wichtig wie für uns. Pottwale reichern ihr Blut mit Sauerstoff für den nächsten Tauchgang an und brauchen dafür etwa 10-15 Minuten an der Wasseroberfläche. Werden sie gestört, tauchen sie womöglich schon früher ab und haben dann nicht genügend Luft für die Nahrungssuche in der Tiefe.

Grindwale treiben beim Schlafen an der Wasseroberfläche. Es ist unverantwortbar, wie die Whale-Watcher auf dem Bild direkt in die Gruppe hineinfahren! Offensichtlich hat sich das Boot auch noch von vorn genähert und so die Bewegungsfreiheit der Wale eingeschränkt. Einige Teilnehmer versuchen sogar, die Tiere zu berühren ….

Störung durch Anfassen

Das Bild eben bringt uns gleich zum nächsten Punkt: Warum soll man die Tiere nicht berühren?

Aus dem gleichen Grund, warum man auch an Land keine Wildtiere anfassen soll:

  • Wildlebende Tiere sind nicht an die Interaktion mit Menschen gewöhnt. Eine Berührung erzeugt bei ihnen unnötigen Stress.
  • Wir wissen nicht, wie die Wale und Delfine in so einer Situation reagieren. Da die meisten Arten deutlich größer sind als wir, kann das schwerwiegende Folgen haben.
  • Spätestens seit Corona wissen wir alle, wie schnell Krankheiten vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Auch umgekehrt ist es möglich, dass wir die Wale mit Keimen infizieren, denen ihr Immunsystem nicht gewachsen ist.

Störung bei sozialen Interaktionen

Neben der Jagd sind für Wale und Delfine auch soziale Interaktionen sehr wichtig. So werden zum Beispiel die Familienbande gestärkt. Stell dir vor, wir würden bei Familienunternehmungen ständig von Fremden bedrängt und gestört werden.  

Auch die Paarung gehört zu diesen Interaktionen. Gerade zur Paarungszeit im Frühjahr erscheinen die Delfine aber besonders akrobatisch, was manche Whale-Watcher als Einladung zur Kontaktaufnahme für uns Menschen interpretieren. Sie fahren dann besonders dicht heran, um das Schauspiel aus der Nähe zu erleben. Doch stören wir Delfine bei der Paarung, wird es über kurz oder lang immer weniger Jungtiere geben.

Störung der Kälber

Junge Wale und Delfine können nicht so schnell schwimmen und so lange tauchen wie die erwachsenen Tiere. Sie haben es besonders schwer, sich aus der Affäre zu ziehen.

2011 hatten wir in der Straße von Gibraltar einen Vorfall mit dem Pottwal-Weibchen Mondrino und ihren beiden Jungtieren. Wir beobachteten aus einiger Entfernung, wie sie von zwei Booten bedrängt wurden, bis die Wale schließlich abtauchten. Plötzlich tauchten die Jungtiere in unserer Nähe auf. Das Muttertier Mondrino hingegen schien die anderen Boote von ihren Kälbern wegzulocken, um ihnen etwas mehr Zeit zum Ausruhen zu verschaffen. (In unserem unten verlinkten Blog kannst du die ganze Geschichte lesen.)

Kontinuierliche Störung

Finden solche Störungen immer wieder statt, kostet das die Wale eine ganze Menge Energie. Der Stresslevel erhöht sich und die Tiere ändern womöglich ihr Verhalten. In einigen Gegenden wurde laut IWC eine Verringerung der Gruppengröße aufgrund von Whale-Watching beobachtet. Außerdem vermeiden bedrängte Tiere vermehrt Boote.

Unsere Datenaufzeichnungen in der Straße von Gibraltar lassen erkennen, dass zum Beispiel Große Tümmler zu Beginn der Whale-Watching-Saison deutlich mehr Sprünge zeigen als in der zweiten Jahreshälfte. Vielleicht zeigen sie auf diese Art ebenfalls, wie genervt sie sind …

Wie verhält man sich nun aber richtig?

Wir haben ein paar Situationen für dich zusammengestellt, in die man beim Whale-Watching geraten könnte. Wüsstest du, wie man sich richtig verhält?

Örtliche Besonderheiten

Im Großen und Ganzen sind die Richtlinien für respektvolles Whale-Watching auf der ganzen Welt anwendbar, auch wenn verschiedene Länder und Organisationen ihre eigenen Regelungen haben, die im Detail eventuell etwas abweichen.

Aufgrund des hohen Schiffsaufkommens ist es in der Straße von Gibraltar beispielsweise untersagt, den Motor komplett abzustellen; hier soll man den Leerlauf einlegen. Außerdem beträgt der Mindestabstand zu den Walen in Spanien 60 Meter; wir versuchen trotzdem immer, den Tieren mehr Freiraum zu lassen.

Die Regelungen einzelner Länder kannst du auf der Webseite der IWC nachlesen, die unten bei den Quellen verlinkt ist.

Weshalb bietet firmm Whale-Watching an?

Im folgenden Video bekommst du einen Einblick in die Ausfahrten von firmm. Die Präsidentin unserer Stiftung verrät darin, was sie bewegt hat, die Wale und Delfine in der Straße von Gibraltar zu erforschen und sich für ihren Schutz einzusetzen.

Zusammenfassung

Jetzt weißt du, worauf du beim Whale-Watching achten musst – egal, wo auf der Welt du den Meeressäugern begegnest. Lass uns die wichtigsten Punkte noch einmal in einem Quiz zusammenfassen.

Wie möchtest du weitermachen?

Was interessiert dich als Nächstes? Möchtest du weitere Lernthemen auf firmm-education entdecken oder dich noch intensiver mit den Whale-Watching-Richtlinien und den Effekten der Walbeobachtung befassen? Für beides haben wir hier ein paar Empfehlungen.

Lernthemen-Empfehlungen

Einige hier erwähnte Informationen werden an anderer Stelle noch ausführlicher behandelt. Du könntest zum Beispiel mit einem der folgenden Themen weitermachen:

Quellen und Zusatzinfos

Du möchstest noch mehr über die Richtlinien oder die Effekte vom Whale-Watching erfahren? Oder interessiert dich unser Blogeintrag zu Mondrino bzw. zu den Orca-Angriffen? In unseren Quellen für dieses Lernthema findest du viele zusätzliche Informationen:

Stiftung firmm

Die Stiftung firmm setzt sich aktiv für die Erforschung und den Schutz von Walen und Delfinen und ihres Lebensraums Meer ein.

Unser Standort Tarifa an der Straße von Gibraltar dient als Forschungs­station und bietet allen Besuchern die Möglich­keit, die faszinierenden Meeressäugetiere in ihrem natürlichen Lebens­raum zu erleben.